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Donnerstag, 25. Juni 2009
hexen lernen
susana.brasi, 21:02h
Bin heute total melancholisch drauf. Es gibt Tage, da geht nicht's, außer sich in einer warmen Höhle zu verkriechen. Meine Wohnung hatte ich über 'ne Mitwohnzentrale für die Zeit in Afrika an ein Paar vermietet. Unglaublich, wie lange sich die Aura von fremden Leuten in einer Wohnung hält. Jetzt wird's allmählich wieder kuschelig. Ich höre Anya Marina. „Miss Halfway“. That's me, sie trifft's genau.
Es gibt eine Menge Dinge, mit denen ich zeitlebens allein sein werde. Der Gedanke oder Verdacht, das Leben, die Welt, seien nichts Anderes als eine gigantische Simulation, mit unserem Hirn als Interface, ist für Viele zu abwegig, als das man das laut äußern könnte. Mit Stefan kann ich über solche Sachen reden, und ein Blick auf seine Bilder genügt (reichlich surreale Landschaften; Szenen und hermaphrodite Gestalten), um zu verstehen, warum. Ich bin mir auch nicht sicher, ob das nicht die Rationalisierung dessen ist, was ich mir bis heute bewahren konnte: Ein klitze-kleines Bisschen einer magischen Vorstellung von der Welt, so wie Kinder sie erleben. Da bin ich schon gespannt, das bei Christian Mongo Linda Christina zu beobachten. Mit dem Erwachsenwerden geht das alles verloren.. Vielleicht hängt´s mit der erwachenden Sexualität zusammen. Ein magisches Selbstverständnis ist a priori nur möglich, wenn ich mich als Subjekt und Objekt gleichzeitig verstehe, eingebettet in eine Welt, in der die Kausalitäten launisch sind. Alles Tun und Denken erfolgt in Zusammenhängen, die sich nur von Experten, nämlich Hexen, Schamanen, Zauberern, deuten lassen. Meine eigene Urgroßmutter, hahaha, war auch eine Hexe: Ich trage Hexengene mit mir rum :-) Die monotheistischen Kulturen entzaubern die Welt. Ein Übervater wacht über alles, belohnt oder bestraft. In der Pubertät werden wir zu handelnden Subjekten und die Eroberung des Sexualobjekts wird eng verbunden mit der Eroberung der Welt und weiterer Objekte. Als nächstes verbindet sich der Trieb zu kopulieren (und zu reproduzieren...) mit dem Drang nach Status, symbolisiert durch entsprechende Objekte, die von den Anderen gedeutet werden können: Ferraris, Klitzerkram, exklusive Outfits. Es gibt eine Vogelart, den Namen habe ich vergessen, da sammeln in der Balzzeit die Männchen alles, was einen bestimmten Blauton hat: Wäscheklammern, Plastikbecher, Flaschenverschlüsse. Wer am meisten davon ansammelt, kriegt die heißeste Vogel-Tussi. Genau wie bei uns Menschen. Bei den Menschen dürfen auch die Männchen am meisten vögeln, die am meisten angehäuft haben. Nur ziehen die Tussis halt z.B. komplette Fernsehsender den Blausachen vor. Wie der italienische „Westentaschen-Duce“ (dank dir für die Definition, genialer Urban Priol !) es uns allen derzeit vorführt. Obwohl der mir schon wieder leid tut. Zu klein geratene Männer sind Zeitbomben auf Beinen, da genügt ein Blick in die Geschichtsbücher. Um das (reichlich wirre, ich geb's zu) Thema abzuschließen: Das Gefühl von freiem Handeln unter der Aufsicht des jeweiligen einzigen Gottes, dessen Gesetze im „Hier sein“ zu befolgen sind, der sich aber nicht weiter einmischt, ist erträglich; und für Magie ist da kein Platz mehr. Dagegen ist das Gefühl von Freiheit ohne Gott und ohne Magie unerträglich. Der Mensch fühlt sich nicht frei, sondern gottverlassen. Wie jene Entchen, die immer das Erste, was sie nach dem Schlüpfen sehen, für ihre Mutter halten - und sei es eine weggeworfene Zigarettenschachtel - verschafft er sich emotionale Ersatzverhaftungen. So geht's jetzt Karstadt, das kann die Kirche auf Dauer halt doch nicht ersetzen... Die alten Götter waren Viele und launisch und hatten ständig Zoff miteinander. Unser Christentum hat da immmerhin für Ordnung gesorgt und den Monotheismus light eingeführt, den nikotinarmen Judaismus niedrigen Teergehalts. Der hat mit der Magie aufgeräumt und den Menschen diszipliniert. Ein magisches Weltverständnis, ohne in platte Esoterik zu verfallen, ist in unseren Ich-Ich-Ich-Gesellschaften subversiv. Aber bloß nicht so wie die südlichen Afrikaner. Da ist die Magie vor allem schwarz. Und wenn jemand stirbt, dann wird gefragt:“Wer hat denn Papi umgebracht?“. Ich lese: „Die Elfen von New York“ von Martin Millar. Absolute Empfehlung für alle, die mal richtig schrillen Fantasy-Lesespaß haben wollen. Ansonsten: Ich will hexen lernen. Hex-Hex !!! ... comment
damals,
Sonntag, 5. Juli 2009, 17:05
Nicht ganz einleuchtend ist mir, dass mit der erwachenden Sexualität die Magie verschwinden soll. Damit beginnt sie doch erst richtig! Es mag ja sein, dass tertiäre Geschlechtsmerkmale wie Geld oder Macht oder ein aktuelles Schönheitsideal eine Rolle spielen, solange es um Werbung und Eroberung geht. Aber nach dem Koitus ist das doch hinfällig. Wer im siebten Himmel war, weiß, was Magie ist - und wie lächerlich die irdischen "Objekte" (inklusive der Sexualobjekte). Es geht doch um Sex, nicht um das Sexualobjekt.
Merkwürdig finde ich auch, dass sowohl Ihre Beschreibung sowohl des Christentums ("ein Übervater wacht über alles ...") als auch des magischen Denkens ("die sich nur von Experten ... deuten lassen") so obrigkeitsfixiert sind. Ich glaube, dass Glauben frei ist - egal, ob christlich oder anti-christlich. ... link ... comment |
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Letzte Aktualisierung: 2009.07.05, 17:05 status
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