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Dienstag, 23. Juni 2009
Asche und Blei
susana.brasi, 16:19h
Ich habe meine Eltern angerufen. Sie haben die News mit Fassung aufgenommen, ich hab ja oft genug gesagt, dass ich ein Kind will, aber nicht unbedingt 'ne feste Beziehung dazu. Wie ich mich mit dem Studium organisiere, das weiß ich noch nicht. Morgen gehe ich zum Labor, der definitive Test steht noch aus.
Meine Tante Amelia aus Sidney- mit der ich mich überhaupt nicht verstehe; unser Hass beruht auf Gegenseitigkeit - war zu Besuch, sie hat ihren 80. in in ihrer Heimatstadt gefeiert. Ein Unfall war´s übrigens nicht unbedingt, das Schwangerschaftsding. Der Vater ist ein bekannter Djembé-Drummer und ein echt cooler Typ und ich konnte mir ihn auch als Release Candidate gut vorstellen. Aber ich werde ihm nichts erzählen, keinen Ton. Denn sonst kommt er noch auf die Idee, wir sollten heiraten. Und eine afrikanische Familie zu heiraten (denn darauf läuft's raus, du wirst Teil eines Riesen-Clans) ist der Horror. Das Sagen hat die Mutter deines Mannes, manchmal auch eine Tante. Dein Leben wird zu einer nicht enden wollenden Teilnahme an Geburten, Verlobungen, Verheiratungen, Familienfesten und Begräbnissen. Du gibst deine Identität an der Garderobe ab und siehst sie nie wieder, es sei denn du flüchtest nach Kanada oder Island oder Australien und lebst pseudonym. Wenn du flüchten kannst. Echt Kacke. Ach, Afrika! Durch das giftige Cocktail solchen Schmarrns wie der “Weißen Massai”, Hellers “Afrika,Afrika!” und Herrn Schlingensief, der Opernhäuser in Kamerun oder Burkina Faso bauen will, hat sich hier ein Etwas zusammengebraut, das deutsches Fernweh, Sehnsucht nach Romantik und Interesse an exotischen Künsten gleichermaßen bedient. Die Realität, die ich gesehen habe, ist elendig langweilig bis grauenhaft schrecklich. Und die guten Leute gehen sowieso alle, schon allein deswegen, weil sie die Nase gestrichen voll haben von Visumsanträgen und den oft willkürlichen Pro- oder Kontra-Entscheidungen der Konsulate. Also ab in Hellers Zirkus! Die Stadt hat sich in einen winterlichen trüb-grauen Schleier gehüllt, Himmel wie Asche und Blei. Während ich diese Zeilen blogge, höre ich das “Officium defunctuorum”, Jan Garbarek mit dem Hilliard-Ensemble. Ich bin total melancholisch drauf. Weihnachtsfeeling im Juni, das Wetter narrt mich und mein Zustand hilft nicht gerade, meine Stimmung zu verbessern. Zur Zeit lebe ich alleine, vielleicht sollte ich mich nach jemandem umgucken, der mitwohnt. Dieser Moment ist wie ein Stillleben der Modernität, ihrer Krisen und Versprechungen. Ich mache ein Backup von dem ganzen Scheiß, den ich schreibe und auch von dem Teil, den ich blogge, obwohl das sowieso niemand liest. Mein letztes Tagebuch wurde von einer defekten Festplatte verschlungen und da bleibt halt ein Schleudertrauma. ... comment |
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Letzte Aktualisierung: 2009.07.05, 17:05 status
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